Eine Beleidigung des Chefs als "Psychopath" und "Irrer" rechtfertigt eine Kündigung nicht immer

Im konkreten Fall, der vor dem Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz verhandelt wurde, beleidigte der, wie sich herausstellte, zu Unrecht gekündigte Mitarbeiter im Rauchercontainer des Unternehmens heftig seinen Chef, indem er ihn als  "Psychopath" und "Arschloch" betitelte. Außerdem habe er gesagt "Der gehört eingesperrt", "Der ist irre" und "Der wird sich noch wundern". Die anwesenden Arbeitskollegen des Klägers berichteten die Entgleisungen ihrem Chef, woraufhin dieser dem beleidigenden Mitarbeiter außerordentlich und hilfsweise ordentlich das Arbeitsverhältnis kündigte.

Zwar sieht auch das LAG in den Beleidigungen einen "wichtigen Grund", der eine Kündigung rechtfertige, jedoch durfte der Kläger darauf vertrauen, so das LAG, dass die verbale Entgleisung nicht dem Chef zugetragen und damit auch der Betriebsfrieden bzw. das Vertrauensverhältnis nicht gestört wird. Auch der Umstand, dass der Kläger am Vortag mit seinem Chef eine heftige Diskussion hatte, lasse die Beleidigungen in einem milderen Licht erscheinen. Eine Kündigung sei deshalb vorliegend ohne eine vorangegangene Abmahnung unwirksam.

Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 24.07.2014